17. Dezember – Tag der Peschmerga und Tag der Flagge Kurdistans

Der 17. Dezember nimmt einen zentralen Platz im modernen politischen Gedächtnis des kurdischen Volkes ein. Er markiert sowohl das erstmalige öffentliche Hissen der Flagge Kurdistans in Mahabad im Jahr 1945 als auch ihre spätere Festlegung als Tag der Peschmerga und Tag der Flagge Kurdistans. Diese institutionelle Anerkennung wurde durch eine Resolution des Parlaments der Autonomen Region Kurdistan formalisiert (Resolution Nr. 48 vom 19. Juni 2004), mit der der 17. Dezember offiziell zum Kurdistan-Flaggentag erklärt wurde. Die Zusammenführung dieser beiden Gedenktage verweist auf die untrennbare Verbindung zwischen nationalen Symbolen und dem organisierten Kampf um politische Existenz, kollektive Würde und das Recht auf Selbstbestimmung.

Die Entstehung der Flagge Kurdistans

Die moderne Nationalflagge Kurdistans wurde erstmals von führenden Akteuren der Xoybûn-Bewegung (kurdisch: Xoybûn, „Unabhängigkeit“) eingeführt. Sie entstand im Kontext des Zerfalls des Osmanischen Reiches und sollte die Kurden in ihrem politischen Streben nach nationaler Selbstbestimmung repräsentieren. Die Flagge wurde internationalen Delegierten auf der Pariser Friedenskonferenz vorgestellt und mit den Bestimmungen des Vertrags von Sèvres (1920) verknüpft, der eine politische Perspektive für Kurdistan vorsah.

Unter dieser Flagge rief Xoybûn im Jahr 1927 die erste kurdische Exilregierung aus und führte bis 1932 einen langjährigen bewaffneten Kampf, um die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts verlorene kurdische Unabhängigkeit wiederzuerlangen. Bereits in dieser Phase etablierte sich die Flagge als dauerhaftes Symbol politischer Kontinuität und nationalen Widerstands.

Ein entscheidender historischer Wendepunkt wurde am 17. Dezember 1945 erreicht, als die Flagge Kurdistans erstmals öffentlich in der Stadt Mahabad gehisst wurde. Kurz darauf übernahm das Parlament der Republik Kurdistan in Mahabad im Jahr 1946 – gebildet unter der Führung der Demokratischen Partei Kurdistans – die Flagge offiziell als Staatssymbol und verlieh ihr damit institutionelle Legitimität.

Aufbau und Symbolik der Flagge

Die Flagge Kurdistans besteht aus einem horizontalen Trikolore-Feld in den Farben Rot, Weiß und Grün sowie einem goldenen Sonnenemblem im Zentrum. Die Sonne weist 21 gleich große Strahlen auf – eine Zahl von grundlegender Bedeutung in den religiösen und kulturellen Traditionen der Kurden. Die präzise Platzierung des Emblems in der Mitte der Flagge unterstreicht die Symbolik von Ausgewogenheit, Einheit und historischer Kontinuität.

Über ihre visuelle Gestaltung hinaus verkörpert die Flagge eine vielschichtige politische und kulturelle Bedeutung. Sie wurde von unterschiedlichen kurdischen Bewegungen und Organisationen übernommen und fungiert bis heute als gemeinsames nationales Symbol über territoriale und politische Grenzen hinweg.

Der Tag der Peschmerga und die Verteidigung nationaler Errungenschaften

Neununddreißig Jahre nach dem erstmaligen Hissen der Flagge in Mahabad wurde der 26. Sermawez (17. Dezember) im Jahr 1984 von der kurdischen Befreiungsbewegung in Ostkurdistan – insbesondere von der Demokratischen Partei Kurdistan Iran (PDKI) – zum Tag der Peschmerga erklärt. Damit wurde die zentrale Rolle der kurdischen Verteidigungskräfte im nationalen Befreiungskampf anerkannt.

Die Ursprünge der Peschmerga reichen in die frühe Phase der Republik Kurdistan zurück, als der Schutz politischer Errungenschaften und territorialer Kontrolle zu einer grundlegenden Notwendigkeit wurde. Als „nationale Armee“ konzipiert, übernahm die Peschmerga die Aufgabe, das politische Überleben der kurdischen Bewegung zu sichern. Insbesondere im Kontext des Widerstands der Kurden in allen vier Teilen Kurdistans entwickelte sich die Peschmerga zu einem zentralen Akteur kollektiver Selbstverteidigung und politischen Fortbestands.

Die politische Bedeutung des 17. Dezember

Die zeitliche Zusammenlegung von Kurdistan-Flaggentag und Peschmerga-Tag reflektiert eine grundlegende historische Erkenntnis: Nationale Symbole gewinnen ihre Bedeutung erst durch ihre Verteidigung, und politische Errungenschaften können nur dann Bestand haben, wenn sie geschützt werden. Wie in der kurdischen politischen Erinnerung häufig betont wird, gleicht die Beziehung der Menschen zu ihrem Land und ihrer Flagge der Beziehung zwischen Mutter und Kind – geprägt von Verbundenheit, Fürsorge und Opferbereitschaft. Der 17. Dezember bringt diese Verbindung in besonderer Weise zum Ausdruck.

Schlussbemerkung

Im Rahmen der Kurdish Memory Days steht der 17. Dezember für eine verdichtete Erinnerung an die historischen Grundlagen des kurdischen Nationalbewusstseins. Er symbolisiert die enge Verflechtung von Zeichen und Kampf, von Erinnerung und Widerstand. Das Gedenken an diesen Tag ist zugleich eine Bekräftigung des fortdauernden Strebens des kurdischen Volkes nach Würde, Gleichberechtigung und dem Recht, über die eigene Zukunft selbst zu bestimmen.

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