TISHK Seminar Series
TISHK Seminar SeriesDie Macht der Narrative: Jesidentum als religiöse Differenz in der kurdischen Geistesgeschichte
Das TISHK-Zentrum für Studien über Kurdistan veranstaltet das siebzehnte Seminar in der Reihe 2025 mit dem Titel „Die Macht der Narrative: Jesidentum als religiöse Differenz in der kurdischen Geistesgeschichte“.
Die Leitung des Seminars obliegt Prof. Dr. Haidar Lashkry, außerordentlicher Professor für Geschichte an der Universität Koya. Prof. Dr. Lashkry promovierte im Fach Geschichte des islamischen Sufismus an der Universität Sulaimani (2010), nachdem er seinen Masterabschluss an der Universität Salahaddin (2004) erworben hatte. Seit 2004 ist er am Institut für Geschichte der Universität Koya tätig, wo er neben seiner Lehr- und Forschungstätigkeit mehrere akademische und administrative Funktionen innehatte, darunter die Leitung der Geschichtsabteilung sowie die Direktion des Postgraduiertenstudiums.
Prof. Dr. Lashkry forscht seit 1999 intensiv im Bereich der Kurdistan Studies und der Religions- und Ideengeschichte. Er hat zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten in kurdischer und arabischer Sprache veröffentlicht, die sich mit der Geschichte der Weltreligionen, den Religionen Kurdistans, dem Sufismus, der islamischen Geschichte, der Historiographie sowie der kurdischen Geistesgeschichte befassen. Darüber hinaus nahm er an zahlreichen nationalen und internationalen Konferenzen im In- und Ausland teil und ist Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Gremien und Institutionen, darunter der Kurdischen Akademie und des Enzyklopädie-Kurdistan-Projekts.
Zu seinen wichtigsten Publikationen zählen Die Kurden im historischen Wissen: Eine kritisch-analytische Studie (2004, Arabisch), Von der Scharia zur Wahrheit: Die Entstehung des Sufismus im kurdischen Raum (2013), Die Kurden und der Islam (Sammelband, 2018), Die Illusionen der Scheichs und die Imaginationen der Pilger (2021), Niemand war größer als wir (2024) sowie Die Tragödie al-Halladschs (2025).
Das Seminar widmet sich der marginalisierten Stellung religiöser Pluralität in der kurdischen Geschichtsschreibung. Religiöse Vielfalt in Kurdistan ist trotz ihrer historischen Tiefe und Komplexität in den historiographischen Quellen häufig unsichtbar geblieben oder an den Rand gedrängt worden – insbesondere innerhalb politisch, doktrinär oder genealogisch verengter Deutungsrahmen. Seit Scharafchan Bidlisi ist die kurdische Historiographie zwar kontinuierlich mit Fragen von Identität und Differenz befasst, reproduzierte jedoch vielfach hegemoniale politische und religiös-ideologische Modelle.
Die erneute Lektüre dieser geistigen Geschichte macht nicht nur verdrängte historische Differenzen sichtbar, sondern legt zugleich eine tiefere Krise dessen offen, was als „Macht der Geschichte“ bezeichnet werden kann. Aus der Perspektive eines dominanten muslimisch-kurdischen Deutungsrahmens erscheint das Jesidentum als eine markante Form innerer Differenz, die etablierte Narrative kollektiver Identität grundlegend infrage stellt. Damit eröffnet das Jesidentum einen analytischen Zugang zur Neubewertung von Erinnerungspolitik, religiöser Differenz und Zusammenleben innerhalb der kurdischen Geistesgeschichte und stellt zugleich eine epistemologische und historiographische Herausforderung für dominante Konzepte kurdischer Identität dar.
Das Seminar wird von Dr. Fateh Saeidi, Postdoktorand an der University of Texas in Austin und Mitglied des Beirats des TISHK-Zentrums für Studien über Kurdistan, moderiert und geleitet..
Das Seminar findet am Sonntag, den 28. Dezember 2025, um 18:00 Uhr (Berliner Zeit) statt und wird in kurdischer Sprache abgehalten. Die Veranstaltung umfasst eine 10-minütige Einführung, eine 30-minütige Präsentation, eine 25-minütige Fragerunde sowie eine 10-minütige Podiumsdiskussion und Abschlussrunde.
Die Teilnahme kann über den angegebenen Link via Zoom erfolgen.
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